Interkulturelle Wege in die Gesundheit: Auf Herz- und Augenhöhe kommunizieren

9. November 2017

Frau Dr. Anette Haberl bei der Fachtagung
Frau Dr. Anette Haberl bei der Fachtagung

Kommunikation auf „Herz- und Augenhöhe“, kostenlose Verhütungsmittel, mehr Geld für die Forschung, mehr Dolmetscher und Therapieplätze, die enge Vernetzung aller hauptberuflichen Akteure in der Medizin und Präventionsarbeit – diese Kernforderungen haben 80 Experten während der interdisziplinären Fachtagung „HIV, Schwangerschaft und Migration“ in Hannover formuliert. Eingeladen hatte Ingrid Mumm von der Aidshilfe Niedersachsen (AHN). Sie koordiniert das niedersachsenweite AHN-Netzwerkprojekt „Positive Kids“.

Vielfältige Barrieren
Ausgangspunkt der vom Land Niedersachsen unterstützten Fachtagung war, dass mittlerweile 30 Prozent der Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, weiblich sind – darunter zunehmend werdende Mütter. Deren Zugang zu Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangeboten wird durch vielfältige Barrieren erschwert. Aktuell haben 80 Prozent der Kinder, die mit einer HIV-Infektion in Deutschland geboren werden, einen Migrationshintergrund. 40 Prozent der Kinder infizieren sich „in der Schwangerschaft“, obwohl sich dies durch konsequente Medikation und Überwachung verhindern ließe. „Die medizinische Versorgung während und nach der Schwangerschaft stellt Mediziner, Hebammen, Flüchtlingsunterkünfte und Beratungsstellen vor erhebliche sprachliche, kulturelle und administrative Herausforderungen“, berichtet Mumm.

Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: mangelnde Kenntnisse des Gesundheitssystems, Sprachbarrieren, kulturelle Vorbehalte, Ängste, Depressionen, posttraumatische Belastungen, die schlechte Erreichbarkeit medizinischer Zentren und Beratungsstellen oder die mangelnde Bereitschaft von Gynäkologen, Frauen mit Fluchthintergrund zu behandeln.

Interkulturelle Wege in die Gesundheit finden
Hebammen können zentral dazu beitragen, Flüchtlingsfamilien den Zugang zu Prävention und Behandlung zu erleichtern. Verbesserte Lebensbedingungen in den Flüchtlingsunterkünften, ausreichend Dolmetscher, auf Wunsch Wahrung der Anonymität, Kontakt mit Betroffenen sowie die Vernetzung aller hauptberuflichen Akteure in der Flüchtlingsarbeit sind die Eckpfeiler für „interkulturelle Wege in die Gesundheit“. Darin waren sich Hebammen, Immunologen, Schwerpunktärzte und Sozialarbeiter/innen einig.

Referent/innen der Fachtagung
Prof. Dr. Matthias Stoll (Tagungsleitung, seit 7 Jahren Vorstandsmitglied der AHN, leitender Oberarzt in der Klinik für Immunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover)
Dr. Annette Haberl (HIV-Center Universitätsklinikum Frankfurt)
Susan Bagdach (Gründerin und Geschäftsführung Interkulturelles Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum IFMGZ Holla, Köln)
Prof. Dr. Ulrich Baumann (Medizinische Hochschule Hannover, Pädiatrie)
Ulrike Sonnenberg-Schwan (FrauenGesundheitsZentrum München)
Marina Weckend (Leiterin der Hebammenschule in Celle)
Cristina Marina (Moderation)

Bildmotive zur honorarfreien Verwendung (Quelle: Aidshilfe Niedersachsen) finden Sie unter diesem Link:
https://www.dropbox.com/sh/edtwa0pq985grca/AAB4bUgRZFoQuLflf49F1g26a?dl=0

Ihre Ansprechpartnerin ist
Ingrid Mumm
Aidshilfe Niedersachsen – Netzwerk „Positive Kids“
Telefon 0511 13 22 12-08
Mobil 0176 50 94 16 21
mumm@niedersachsen.aidshilfe.de
www.positive-network.de