HIV, Schwangerschaft und Migration. Mit interdisziplinärem Ansatz Barrieren überwinden.

16. August 2017

Logo von Positive Kids
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Die Zahl der werdenden Mütter, die aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland einreisen, erhöht sich seit Jahren spürbar. Die Frauen finden aufgrund sprachlicher, kultureller, aber auch administrativer Barrieren häufig nur schlecht Zugang zur medizinischen Versorgung und sind schwer für HIV-Präventionsangebote erreichbar. „Dies hat im Fall einer Schwangerschaft schwerwiegende Konsequenzen, wenn die zeitgerechte Diagnose einer Infektion deswegen unterbleibt und damit die Gesundheitsrisiken für Mütter und Kinder um ein Vielfaches ansteigen“, warnt Prof. Dr. Matthias Stoll, stellvertretender medizinischer Direktor der Klinik für Immunologie und Rheumatologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach Angaben des Infektologie-Experten haben 80 Prozent der Kinder, die mit HIV in Deutschland geboren werden, einen Migrationshintergrund.

Herausforderung Interkulturelle Gesundheitsvorsorge
„Die medizinische Versorgung während und nach der Schwangerschaft stellt Mediziner/innen, Hebammen sowie die Mitarbeiter/innen in Flüchtlingsunterkünften und Beratungsstellen vor erhebliche sprachliche und kulturelle Herausforderungen“, bestätigt Ingrid Mumm von der Aidshilfe Niedersachsen (AHN). Sie koordiniert das niedersachsenweite AHN-Netzwerkprojekt „Positive Kids“. Mit Unterstützung des niedersächsischen Gesundheitsministeriums hat Mumm für den 7. September 2017 die interdisziplinäre Fachtagung „HIV, Schwangerschaft und Migration“ konzipiert (Raschplatz Pavillon Hannover). „Es ist sehr zu begrüßen, dass in Niedersachsen zu diesem wichtigen Thema eine ganztägige, von wissenschaftlichen Daten getragene, interdisziplinäre Fachtagung stattfindet. Die verschiedenen Akteure aus Präventionsarbeit und medizinischer Versorgung werden ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam an ganzheitlichen, interkulturellen Konzepten arbeiten können“, erwartet Prof. Stoll, der die wissenschaftliche Leitung der Fachtagung übernommen hat. Diese wird mit sechs Fortbildungspunkten anerkannt.

„Nicht nur im Zusammenhang mit HIV ergeben sich zahlreiche Fragen und Diskussionsbedarf. Wir hoffen auf rege Teilnahme von Gynäkologen, Internisten, Kinderärzten, Hebammen, Beratungsstellen und anderen Interessierten“, betont Mumm. Themenschwerpunkte sind die im März 2017 aktualisierte Leitlinie „HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen“, die antiretrovirale Therapie (ART) in der Schwangerschaft, Kaiserschnitt versus Spontangeburt, Stillen ja oder nein, die Postexpositionsprophylaxe (PEP) bei Neugeborenen sowie Sprach- und Kulturbarrieren bei der Betreuung von Schwangeren mit Migrationshintergrund.

Hochkarätige Referent/innen
Neben Prof. Stoll werden Dr. Annette Haberl (HIV-Center Universitätsklinikum Frankfurt), Susan Bagdach (Gründerin und Geschäftsführung Interkulturelles Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentum IFMGZ Holla, Köln), Prof. Dr. Ulrich Baumann (Medizinische Hochschule Hannover, Pädiatrie), Ulrike Sonnenberg-Schwan (FrauenGesundheitsZentrum, München) und Marina Weckend (Leiterin der Hebammenschule in Celle) zu den unterschiedlichen Aspekten referieren.

HIV, Schwangerschaft und Migration, Fachtagung am 07.09.2017
Raschplatz Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover
Für die Teilnahme gibt es 6 Fortbildungspunkte.

Das Programm finden Sie hier.

Ansprechperson
Ingrid Mumm
Landeskoordinatorin für "Aids, Kinder und Familie"
Fon: 0511-13 22 12 08
Mobil: 0176-50 94 16 21
mumm@niedersachsen.aidshilfe.de
www.positive-network.de