Mit HIV kann man heute leben. Unwissenheit, Abwertung und Schuldzuweisungen machen das Leben schwer. Solidarität heißt auch: Zugang zu Medikamenten für alle – auch in Deutschland

30. November 2017

Christoph aus Braunschweig als Protagonist der bundesweiten Kampagne
Christoph aus Braunschweig als Protagonist der bundesweiten Kampagne

Am morgigen Freitag wird zum 30. Mal der Welt-Aids-Tag begangen. Die große Gemeinschaftskampagne in Deutschland steht unter dem Titel #positivzusammenleben. UNAIDS hat den Welt-Aids-Tag unter das Motto „Meine Gesundheit, mein Recht“ gestellt.

Dazu erklärt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Der Welt-Aids-Tag ist der Tag der Solidarität mit HIV-positiven Menschen. Er soll Diskriminierung und Zurückweisung entgegenwirken und ein unbefangenes Miteinander stärken. Ängste und veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV möchten wir durch realistische Bilder ersetzen. Solidarisch mit positiven Menschen zu sein bedeutet heute vor allem, Selbstverständlichkeit im täglichen Umgang miteinander zu fördern.“

Menschen mit HIV haben heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine fast normale Lebenserwartung und können leben wie andere Menschen auch: Job, Familie, unbelastete Sexualität und Familienplanung inklusive. Denn eine gut wirksame HIV-Therapie verhindert auch die Übertragung von HIV.

Diskriminierung entgegenwirken

Nach wie vor wird Menschen mit HIV ihr Leben allerdings durch Diskriminierung schwer gemacht. Zurückweisung im Alltag, zum Beispiel im Gesundheitssystem oder im Job, und abwertende Äußerungen sind immer noch an der Tagesordnung.

Grund sind meist irrationale Ängste und moralische Urteile. Eine gerade veröffentlichte repräsentative Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung offenbart erschütternde Berührungsängste sowie Wissenslücken. Unter anderem wissen mehr als 90% der Befragten nicht, dass eine gut wirksame HIV-Therapie auch die Übertragung von HIV verhindert.

DAH-Vorstand Winfried Holz:

„Am Ziel sind wir erst, wenn die Mitteilung, dass jemand HIV-positiv ist, keine Ängste, keine Sonderbehandlung, keine  Mitleidsbekundungen und keine Schuldzuweisungen mehr nach sich zieht. Es wird uns nicht gelingen, Ablehnung zu verhindern, so lange Menschen Sexualität und Lebensstil anderer beurteilen und glauben, Verhalten sei komplett über den Verstand steuerbar. HIV-positive Menschen haben keinen Grund sich zu schämen, sondern dürfen sich selbstbewusst zeigen!“

Niemanden ausschließen

Zugleich bedeutet Solidarität, niemanden von der HIV-Behandlung auszuschließen und allen Menschen den Zugang zu Test und Behandlung zu ebnen.

Im Jahr 2016 erkrankten in Deutschland 1.100 Menschen an Aids oder einem schweren Immundefekt, obwohl es vermeidbar gewesen wäre: Sie wussten jahrelang nichts von ihrer Infektion, erfuhren erst durch die schwere Folgeerkrankung davon. Zurzeit leben in Deutschland nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts 12.700 Menschen unwissentlich mit HIV. Viele scheuen den HIV-Test und verdrängen Risiken, weil sie viel zu dramatische Vorstellungen vom Leben mit HIV haben, Ablehnung oder Schuldzuweisungen fürchten. Sie bleiben daher unbehandelt – oft mit schweren gesundheitlichen Folgen. Eine Behandlung würde zugleich die weitere Übertragung von HIV verhindern.

„Realistische Bilder von HIV und Engagement gegen Diskriminierung sind wichtig, um die Gesundheit von Menschen zu schützen und Neuinfektionen zu verhindern: Viele Menschen können nur so Zugang zu Test und Behandlung finden“, so Winfried Holz.

Medizinische Versorgung für alle

Dringend geboten ist außerdem der anonyme Zugang von Menschen ohne Aufenthaltspapiere zu medizinischer Versorgung. Aus berechtigter Angst vor Abschiebung trauen sie sich oft nicht in Behandlung – Aidserkrankungen und immer wieder auch Todesfälle sind die Folge. Auch hier gilt: Eine frühe Therapie könnte weitere HIV-Infektionen verhindern und dem Gesundheitssystem Kosten sparen.

„Es darf nicht sein, dass im reichen Deutschland Menschen an Aids erkranken, obwohl es vermeidbar ist“ betont Holz.

International muss sich Deutschland noch mehr dafür einsetzen, dass alle Menschen mit HIV Zugang zur HIV-Therapie erhalten, unter anderem durch höhere Zahlungen an den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) und ein verstärktes Engagement in Osteuropa.

Welt-Aids-Tags-Kampagne #positivzusammenleben (Gemeinschaftskampagne des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundeszentrale (BMG) für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Stiftung und der Deutschen AIDS-Hilfe): www.welt-aids-tag.de

Am 1.12. um 9 Uhr geht auf www.welt-aids-tag.de ein Message-Clip mit Botschaften der HIV-positiven Kampagnengesichter online

Befragung der BZgA zum Welt-Aids-Tag zu Wissen und Umgang mit HIV-positiven Menschen

Presseinformationen und Infolinks zum Welt-Aids-Tag

Kampagne „Kein AIDS für alle!“: https://kein-aids-fuer-alle.de/

Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere

Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Tel. (030) 69 00 87 - 16
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de

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